Victoria Straw

Liguster blueht kopfbetaeubend

short messages to max

Herausgegeben von Max Volz
Mit einem Vorwort von Bernd Leukert und einer Nachbemerkung von Clair Lüdenbach
112 Seiten. Broschur
ISBN 978-3-945400-69-2

18,00 

Beschreibung

Victoria Straw hat ihre Texte nicht für die Öffentlichkeit geschrieben. Es handelt sich dabei um Mitteilungen an ihren Mann Max, um short messages (sms), die sie in ihr altes Mobiltelefon tippte. Allein die berückenden Sprachbilder, die sie für den Himmel mit seinen Gestirnen oder die dunklen Bäume mit ihren Eulen fand, – all das verlangt dennoch danach, mit anderen Leserinnen und Lesern geteilt zu werden.

Eine Frau fluestert
Sie moechte
verstanden aber
nicht gehoert
werden

V
30/05/2018

Victoria Straw liebte die deutsche, englische und altenglische Lyrik, sprach von Jan Wagner, von Chaucer, Pope und G. M. Hopkins, dachte sich Poesie als Zauber und ließ sich beglücken von Gedichten, die uns aufschließen, um eine sympathetische Resonanz in uns wahrnehmen zu lassen, von der wir bis dahin nichts wussten. Mit ihrer Sehnsucht nach diesem magischen Zugang zum Sprachkunstwerk und ihrer unverhohlenen Freude daran ließ sie mit Vergnügen die sie bereichernde Poesie zurück in ihren Alltag fließen. Sie machte nicht, sie lebte die Poesie.
Der aphoristische Charakter, mit dem sie von Ereignissen, die sie wahrnahm, berichtete; die Kombination verschiedener Notizen, die damit in absurde Zusammenhänge treten; die Liebeserklärungen, die sie über Variationen komödiantisch in Distanz rückte; die berückenden Sprachbilder, die sie für den Himmel mit seinen Gestirnen oder die dunklen Bäume mit ihren Eulen fand, – all das verlangt schon danach, mit anderen Leserinnen und Lesern geteilt zu werden.
Mit dem Jahr 2018 verstärkte sich ein meditativer Zug in Victoria Straws Kurzmeldungen. Die Nachrichten kamen aus einem Krankenhaus, schließlich aus der Palliativstation. Traumhaft beschrieb sie die fremde, geschlossene Welt der Station. In nächster Nähe starben Menschen langsam oder auch ganz plötzlich. Das alles nahm sie wahr mit sachlicher Neugier und emotionaler Distanz, die ihr erlaubte, die Situation zu pointierten Bemerkungen zu verdichten.
Zugleich schrieb sie ihrem Lebenspartner berührende, zugewandte Worte und Zeilen, deren philosophischer Sinn von poetischen Sprachbildern getragen wird. Es sind die letzten schriftlichen Äußerungen im Leben dieser bemerkenswerten Frau. Tiefe Empfindung verbindet sich in ihnen mit einer weisen Heiterkeit, mit der sie diesem Leben trotzte und dem Tod selbstbewusst und mokant entgegentrat.
Die Mitteilungen an Max wurden so abgedruckt, wie sie vorgefunden wurden. Die Form und die Schreibweise wurde nicht verändert.
Aus dem Vorwort von Bernd Leukert

Pressestimme

»Denn eigentlich sollten die SMS-Mitteilungen, welche die 2018 verstorbene Autorin Victoria Straw in ihren Mann Max schrieb, zumindest von ihrer Seite gar nicht veröffentlicht werden. Nun liegen diese poetischen Miniaturen glücklicherweise doch einer  breiten Leserschaft vor. Mal stoßen wir auf amouröse Sehnsuchtsbekundungen (…), mal auf knappe Wiedergaben grotesker Beobachtungen in der Straßenbahn oder den Nachrichten. Was dem Band jedoch seine ungemein starke Inwändigkeit verleiht, sind die Bekenntnisse einer von der Welt Abschied nehmenden Frau.« Björn Hayer, Berliner Zeitung